Karijola, Berlin

Das Maß aller Steinofenpizza-Dinge war bisher Fa. Dolce, um die Ecke, in der Hagelberger Straße. Aber da das bessere des guten Feind ist, trägt ab sofort das Karijola die Pizza-Krone im erweiterten Hornstraßen-Kiez.
Hier kommt alles zusammen: ein angenehmes, unprätentiöses Ambiente, die herzlich-humorvolle Bedienung, und eine Pizza, die einen die Augenverdrehen lässt. Das liegt einerseits an den erstklassigen Zutaten (unbedingt mal die Pizza mit dem aromatischen Speck probieren, das ist der Hammer), Salami schmeckt eben besser als Plockwurst, andererseits mit ein paar neuen Ideen, mit denen die Karijola-Macher das klassische Pizza-Thema tunen. So stellen sie zur Pizza noch Chili- und Knoblauchöl auf den Tisch. „Was soll das denn?“ fragt man zunächst stirnrunzelnd, aber wenn man erst mal auf den Trichter gekommen ist, mit dem Pizzarand ins Öl zu dippen, ruft man „Prima Idee, bringen Sie mal noch mehr von dem Zeugs!“
Ein paar schöne, preiswerte Weine runden das Angebot ab, ab sofort heißt es hier: „Wenn Pizza, dann ins Karijola!“

Karijola
Yorckstraße 75
10965 Berlin
030 818 210 27

www.karijola.de/

Update: Das Karijola hat leider schließen müssen.

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China XBerg, Berlin

Dass ich mir nicht öfters was bei China Xberg hole, liegt an „Dallas“. Nein, nicht an Dallas, Texas, oder doch, natürlich liegt Dallas in Texas, ich meine Dallas, Fernsehen. Ja, genau, Dallas, Southfork Ranch. J. R., Sue Ellen, Bobby, das Weichei… jaha, eine damals äußerst geschätzte und bis heute popkulturell sträflich unterschätzte Serie, vor allen Dingen „Conundrum“, die letzte (Doppel-) Episode der Serie, in der Joel Grey J. R. vorführt, wie die Welt aussähe, wenn es ihn nicht gegeben hätte… ein brachial-zynischer Gegenentwurf zu Frank Capras Sacharin-Hölle „It’a a wonderful life“, ein verkanntes Meisterwerk!
Äh, ja… wo war ich? Ja, richtig, in einem Kreuzberger China-Imbiss, und damit zwangsläufig bei Dallas, denn der ewige Widersacher des unvergleichlichen J.R. Ewing war eine infame Amöbe mit Namen Cliff Barnes (Pfui! Pfui! Pfui!), ein deplazierter Parvenü, eine gesellschaftliche Katastrophe auf der Suche nach einem Ort, an dem sie geschehen konnte, ein Mann ohne jede Klasse, der sogar die Delikatessen verschmähte, die im legendären „Club der Öl-Barone“ serviert wurden, um sich stattdessen mit unschöner Regelmäßigkeit chinesisches Essen aus Pappschachteln einzuverleiben…
Womit wir wieder bei China Xberg wären. Für einen Imbiss sind die gebratenen Nudeln mit Gemüse hier nämlich wirklich okay, die werden bei Bestellung frisch im Wok gerührt und schön offensiv gewürzt, da kann man wirklich nicht meckern. Eigentlich ein Grund, abends öfters mal nicht den Kochlöffel in die Hand zu nehmen und zu sagen: „Komm, ich hol uns was von China Xberg…“
Aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut. Immer, wenn mir die freundliche Dame die Pappschachtel mit den Nudeln rüberreicht, denke ich: „Soweit ist es mit dir gekommen. Chinesisches Essen aus Pappschachteln, genau wie dieser Widerling Cliff Barnes…“
Deshalb frequentiere ich den Laden eher selten. Obwohl es mir eigentlich schmeckt. Aber ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe.
You eat this, Barnes!

Imbiss China XBerg
Großbeerenstr., /Ecke Yorckstr. (Straßenecke)
10965 Berlin

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Thanh Long – Viet Thai Küche, Berlin

Wer sich nicht entscheiden kann, ob er lieber vietnamesisch, thailändisch oder chinesisch essen möchte, der gehe einfach ins Thanh Long. Hier werden Gerichte aus diesen dreier Herren Länder angeboten, zusätzlich gibt’s noch eine Mittagsmenü-Karte, von der man sich die üblichen Asia-Klassiker mit Sauerscharfsuppe oder Mini-Frühlingsrollen als Vorspeise für zusammen schlappe fünf Euro einverleiben kann.
Der Gastraum ist klein, hell und freundlich, hier sitzt man äußerst angenehm. Für Frischluft-Fanatiker stehen auch ein paar Tische im Vorgarten, wo man versuchen kann, den Überblick über die brummende Hektik der Handjerystraße zu behalten.
Das Essen wird frisch zubereitet, was auch bedeutet, dass man mal ein bisschen warten muss, wenn der Laden voll ist. Ich hab Frühlingsrollen, und gebratene Nudeln mit krosser Ente von der Mittagskarte probiert, war okay. Nicht der Überflieger, aber ein solides asiatisches Mittagessen. Ich glaub, ich komm demnächst mal abends vorbei und teste eins der vietnamesischen Gerichte.

Thanh Long
Handjerystr. 29
12159 Berlin
030 8527483

www.thanhlong-berlin.de

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Pizzeria La Buca, Berlin

„Ruprecht schickt uns…“ sagte ich mit verschwörerischem Augenaufschlag, als der Kellner des La Buca die Speisekarten verteilte. Denn Mit-Qyper Ruprecht Frieling hatte uns einen Besuch des La Buca ans Herz gelegt. Der Kellner verzog jedoch keine Miene, sondern nahm stoischen Gesichts unsere Bestellung auf: „Zwomal das Mittagsmenü, mit Rotwein! Das nimmt Don Frieling doch auch immer?“ Der Kellner bliebt mit einem freundlichen „Bene!“ diskret ein- bzw. zweisilbig, um genau zu sein. Beruhigend zu wissen, dass bei diesem Mann die kleinen und großen Geheimnisse seiner Stammgäste sicher sind!
Das Mittagsmenü hatten wir ohne einen Blick in die Karte geordert, denn ein Menü für 9,80 Euro, das aus Vorspeise, Hauptgang, Wasser, Wein und Espresso besteht, ist einfach ein Vorschlag, den man nicht ablehnen kann, was nicht nur am unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis liegt. Vorab gab’s sogar noch zwei Scheibchen Bruscetta, und nur wenig später als der angenehme, fruchtige Landwein wurden zwei Vorspeisen-Portionen Penne all arrabiata vor uns gesetzt: schön tomatig und mit dezenter Schärfe abgeschmeckt, mit der richtigen Menge aromatischen Specks auf Leistung getunt… ein Ferrari unter den Nudelgerichten. Zum Hauptgang gab’s zwei dünn geklopfte Scaloppa in einer kurzen, sämig-weinigen Sauce mit Oliven und Kapern. Daneben lag ordentlich geknofeltes, knackiges Bohnen- und Möhrengemüse. Brot zum Sauce Auftunken stand reichlich auf dem Tisch, und als dann der Espresso kam, fühlten wir uns dermaßen italienisch, dass wir kurz davor waren, Verdi-Arien zu schmettern.
Und als wir dann zahlten, stand für uns fest: hier gehen wir auch mal abends hin. Die Steinofen-Pizzen sahen gar zu verlockend aus, und auf der Speisekarte, die wir uns zum Schluss doch noch zeigen ließen, fehlt kaum einer der Italo-Klassiker. Hier sieht man uns gern wieder, und gern erweisen wir dem Oberhaupt der Frieling-Familie unseren Respekt für diesen ausgezeichneten Tipp!

Pizzeria La Buca
Hubertusstr. 2
12163 Berlin
0307915258

www.labuca-berlin.de/

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Hägeles Antiqua

„Das sind die besten Käsespätzle meines Lebens!“ rief meine Nichte Sabine, als sie die Käsespätzle im Antiqua probierte. Und Sabine muss das wissen, sie isst seit ca. 15 Jahren pro Woche mindestens eine Portion Käsespätzle an den verschiedensten Orten der Welt, und darf daher als ausgefuchste Expertin gelten. Aber nicht nur der – wirklich herausragenden – Käsespätzle wegen sollte man das Hägeles Antiqua (das seinen zweite Namenshälfte dem wuchtigen, alten Buffet verdankt, dass den vorderen Gastraum dominiert) besuchen, die Kutteln sind ebenfalls eine Sensation (mit Brot oder weltmeisterlichen Bratkartoffeln), der Zwiebelrostbraten, die saure Leber… In der Eisenacher Str. in Schöneberg steht ein angenehmes, bodenständiges schwäbisches Gasthaus, wo ich auf dem Nachhauseweg gern einkehre, um gut zu essen oder auch nur ein oder zwei Viertel der prima Weine (im roten Bereich beschränkt sich das Angebot gottseidank nicht auf Trollinger/Lemberger, Frau Hägele hält auch ein paar grundanständige badische Spätburgunder bereit) zu „schlotzen“. Angenehme, freundliche Gastlichkeit, auch für Nicht-Schwaben wie mich sehr zu empfehlen.
Nachtrag Mai 2010:
Höchste Zeit für eine Aktualisierung, diesen Beitrag hab ich vor fast drei Jahren geschrieben. Noch immer gehört das „Hägele“ zu meinen Lieblingslokalen, mindestens einmal pro Monat machen wir hier auf dem Nachhauseweg Station.
Die Küche hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, die monatlich wechselnde Angebotskarte ist immer für eine Entdeckung gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis halte ich nach wie vor für herausragend. Und mittlerweile gibt es mehrmals im Monat „Programm“ im Hägele. Kleinkunst, Dichterlesung, Weinverkostung… eine Wirtin wie Corinna Hägele, die stets bemüht ist, ihren Gästen etwas neues zu bieten, muss man sowohl in Berlin wie auch im Schwabenland mit der Lupe suchen.
Letzte Woche war ich beim Trollinger-Abend. 7 verschiedene Weine gab es zu verkosten, dazu köstliches Schmalz auf „Seelen“, Gaisburger Marsch (ein gar nicht geizig mit viel butterzartem Rindfleisch ausgestatteter Eintopf) satt und zum Nachtisch Ofenschlupfer, und das alles für 19,90 Euro… ein wahr gewordener Traum, nicht nur für schwäbische Sparfüchse!

Hägeles Antiqua
Eisenacher Str. 59
10823 Berlin

030 7845278

www.restaurant-antiqua-berlin.de/

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Alheimer Hütte, Alheim

„Ja, um Himmelswillen, was sollen wir denn in dieser Bruchbude?“ ruft der Tourist unwillkürlich aus, wenn er dieses mitten im Wald gelegene Häuschen zum ersten Mal sieht. In der Tat, sonderlich vertrauenerweckend sieht diese… sagen wir mal „Einkehrmöglichkeit“ von außen nicht aus. Baufällig ist die Hütte nicht gerade, aber die hundert Jahre, die sie schon an dieser Stelle steht, sieht man ihr durchaus an, die im Lauf der Zeit angelegten Gebäudeerweiterungen wurden offenbar mit Leidenschaft improvisiert und die außen gelegenen Toiletten versprühen einen höchst rustikalen Charme.
Beim Betreten des Gastraums geraten labile Naturen in Panik: Bis in diese Ecke Hessens ist die Zivilisation in Form von Wasser-, Gas- oder Stromleitungen noch nicht vorgedrungen, deshalb hängen Gaslampen an der Decke, und geheizt bzw. gekocht wird mit Holz.
Wer jetzt versucht, seine katatonische Schreckensstarre zu überwinden, um hastig die Flucht zu ergreifen, macht einen großen Fehler, denn das, was in der Alheimer Hütte aufgetischt wird, passt zum rustikalen Ambiente und mundet ganz ausgezeichnet. Die „Ahle Worscht“ stammt aus Hausschlachtung und spielt in der oberen Liga mit, Leberkäs, Koch- und Bratwurst stammen vom örtlichen Fleischer, der sein Handwerk versteht und auch das köstliche Schmalz auf dem „Fettenbrot“ zu verantworten hat. Streusel- und Schmandkuchen sind selbstgebacken und schmecken so gut, dass man eine zweite Portion in Erwägung zöge, wenn denn noch etwas herein passen würde.
Gegen den Durst gibt es Bier vom Fass, diverse Schnäpse und einen handgefilterten (!) Kaffee, der einem den Glauben an diese klassische Koffeinzubereitung zurückgibt.
Wenn man denn den Weg zur Alheimer Hütte gefunden hat: Nicht vom äußeren Schein abschrecken lassen: Augen zu und durch, es lohnt sich!

Alheimer Hütte
Weidentalstr. 6
36211 Alheim
0 66 23 58 95

www.alheimer-huette.de/

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Trattoria Popolare, Berlin

Ich mag einfach einfache italienischen Restaurants: ich sitze gern an karierten Tischdecken, freue mich, auf der Speisekarte liebe alte Bekannte zu entdecken und wenn’s dann auch noch gut und bezahlbar ist, fang ich sogar das Jubeln an.
Hier ist es nicht nur bezahlbar, hier ist es runtergerissen preiswert. Zur Mittageszeit kosten alle Pizzen und alle Pasta-Gerichte 5 Euro, und wenn man ein Menü für 7,50 Euro nimmt, bekommt man einen kleinen Salat, eine Pizza oder einen Teller Pasta von der Karte, einen Softdrink und einen Espresso/Cappuccino/Kaffee inkl. angenehmen Ambiente und zurückhaltend-freundlicher Bedienung. Am Salat gab’s nichts zu meckern, das dazu gereichte Brot war warm, die Spaghetti Aglio Olio Peperoncino waren von der Neutralität, die die Mittagszeit gebietet, also zurückhaltend geknofelt und bestenfalls mittelscharf, dafür waren Sie frisch gemacht und der fleißige, großzügige Koch hatte nicht nur frische Peperoncini kleingeschnitten, sondern auch noch ein paar aromatische Cocktail-Tomaten kurz mitgeschmort. Ein ausgezeichnetes Essen zum Sensationspreis, hätte ich in der Gegend öfters zu tun, wäre ich Stammgast.

Trattoria Popolare
Schönhauser Allee 143
10437 Berlin
030 47374543

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Lavandevil, Berlin

„Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ – Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. Ein Klassiker des gepflegten Latein-Zitats, und niemand kennt den Urheber, die Wikipedia vermutet Kaiser Lothar I. …. ist doch wurscht. Wer auch immer sich diesen Satz einfallen ließ, war noch niemals in einem Charlottenburger Traditionslokal wie dem Lavandevil, einer Kneipe, die dermaßen traditionell ist, dass die Stammgäste sich nicht mehr erinnern können, wann sie den Laden zum ersten Mal betreteten haben. Okay, das gilt für die jüngeren Stammgäste. Die älteren Stammgäste wissen nicht mehr, wo sie Zuhause sind, weil sie das Lavandevil seit mindestens zwanzig Jahren nicht verlassen haben.
Warum auch? Vor ein paar Jahren ist renoviert worden, den Wänden ist ein frischer, freundlicher Anstrich verpasst worden, der Grundriss ist geringfügig anders als damals, als ich vor… äh, das war glaube ich Anfang der Achtziger, oder doch Ende der Siebziger… lassen wir das, es ist viel heller und freundlicher als früher, und geraucht wird auch nicht mehr bzw. nur in einem separaten Raucherraum, aber ansonsten… alles wie früher!
Es gibt immer noch lecker Kneipen-Pizza, also kein Steinofengedöns mit Ruccola zum Gastro-Review-Schreiben, sondern eine fettig-flauschig-ungesunde Grundlage für eine lange Nacht voll Bier, Wein und Rock’n Roll.
Der unerschrockene Gast probiere die „Scampi all ajillo“, zwei Handvoll mit einer unanständigen Menge Knoblauch und Olivenöl gebratene Großgarnelen, abgelöscht mit einer satten Portion eines Weinbrand-ähnlichen Getränks, das ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend, das ist ein Gericht so unverwechselbar wie ein Faustschlag von Vitali Klitschko: Raffinement Fehlanzeige, but it delivers!
Auch die Weinkarte gibt sich kompromisslos: hier werden – wie früher – keine Weine angeboten, sondern Rebsorten: Riesling, Chardonnay, Merlot… alles bodenständig, was Preis und Geschmack anbelangt.
Ja, was ist das Lavandevil nun für ein Lokal? Wirklich nur die Heimstatt von gastronomisch ewig Gestrigen, ein Treffpunkt alter Säcke, die sich nach dem klüngeligen Mauer-West-Berlin zurücksehnen?
Och nö. An Abenden wie heute, am 30. April 2010, wenn dort die Soko Haubach gitarrenlastigen R&B in Überlautstärke durchs Lokal pustet, wenn die Tresenmenschen aufopferungsvoll das frisch angestochene Maibock-Bier an die Gäste weiterreichen, wenn die Leute, die man seit zig Jahren kennt, mit jedem Glas ein paar Jahre jünger werden und wenn Steve Seitz „I hear you knocking“ knackiger als Dave Edmunds rausknarzt… dann ist das Lavandevil the place to be in tout Berlin.
Die Kneipen ändern sich nicht, und wir ändern uns nicht in ihnen. Dieser Satz war jetzt von mir. Falls wer von der Wikipedia fragt.

Lavandevil
Schustehrusstr. 3
10585 Berlin
0303429280

www.lavandevil.de

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BackWerk, Berlin-Friedenau

Im Prinzip kannste den Laden vergessen. Wer einen Franchise-Kettenbäcker kennt, kennt sie alle, und die Jungs von Backwerk halten sich für besonders pfiffig, weil sie das Raussuchen und Eintüten von Backwaren kostensparend von der Kundschaft erledigen lassen. Also nix für eine faule Sau wie mich, ich könnte in aller Seelenruhe einen Riesenbogen um den Laden machen und müsste noch nicht mal meine Tastatur mit einem qype-Review behelligen …
… wenn ich nicht durch eine Laune des Schicksals in eine körperliche Abhängigkeit vom Knusper-Mohn-Stick geraten wäre. Den Knusper-Mohn-Stick muss man in den Backwerk-Filialen mit einer unpraktischen Riesenzange aus der Snackvitrine rausfriemeln, bezahlen, eintüten (fettet sofort durch) und ins Büro tragen. Wobei Ins-Büro-Tragen nicht klappt, weil der Knusper-Mohn-Stick durch den Snack-Ecken-Thermostat haargenau auf die richtige Betriebstemperatur zum Verschlingen gebracht worden ist. Jetzt, hier, direkt vor der Filiale ist er genau richtig, im Büro ist er schon zu kalt, und alle Aufwärmversuche endeten bisher entweder in der Katastrophe (zu kalt) oder im Desaster (zu heiß). Deshalb atme ich meinen Knusper-Mohn-Stick – übrigens ein Konglomerat aus einer Art Mohn, einer Art Blätterteig, einer Art Tomate und einer Art Käse – auf dem Weg zurück ins Büro ein, sodass ich mich zünftig vollgekrümelt gleich wieder an den Schreibtisch setzen kann.
1 Stern für SB-Franchise-Kette, 5 Sterne für den Knusper-Mohn-Stick, macht zusammen 3. Soweit dazu.

BackWerk Berlin_Friedenau
Lauter Str. 17-18
12159 Berlin
030 81487992

www.back-werk.de

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The Kennedys, Berlin

I dreamed I was the president of these United States
I dreamed I replaced ignorance, stupidity and hate
I dreamed the perfect union and a perfect law, undenied
And most of all I dreamed I forgot the day John Kennedy died

Lou Reed, „The Day John Kennedy died“

Man kann tatsächlich nicht vergessen, wie das war, als man von John F. Kennedys Tod erfahren hat.
Ich war gerade sieben Jahre alt geworden und kam an den Frühstückstisch. Und da saß meine Mutter, rührte in ihrer Kaffeetasse und sah mich lange an. Komisch, irgendwie. So hatte sie mich noch nie angesehen.
Schließlich seufzte sie und sagte: „Christopher, du erinnerst dich doch noch an Präsident Kennedy?“
Natürlich erinnerte ich mich noch an Präsident Kennedy. „John F.“ hieß er mit Vornamen, das atte ich mir gemerkt, so einen Vornamen kannte man in Eschwege nicht. Hier hießen die Menschen Helmut, oder Günter, aber nicht „John F.“ Und dass dieser John F. jemand ganz besonders war hatte ich vor ein paar Monaten gemerkt, als das strikte Fernsehverbot gelockert worden war, als dieser Mann Berlin besucht hatte.
In Berlin war vor zwei Jahren etwas Schlimmes passiert, so ganz hatte ich das nicht verstanden. Wie konnten Menschen auf die Idee kommen, eine Mauer mitten durch eine Stadt zu bauen? Aber ich kannte ja die Zonengrenze, die war nur ein paar Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt, und die verhinderte, dass die Menschen ihre Freunde und Verwandten besuchen konnte. Das war eine seltsame Welt, damals. Die konnte einem richtig Angst machen.
Aber dann war dieser amerikanische Präsident nach Berlin gekommen, und ich durfte mich am hellichten Tag mit den anderen vor den Ferrnseher setzen und zuschauen, wie dieser John F. Kennedy im offenen Wagen durch Berlin gefahren wurde. Wie er den Menschen zuwinkte und sie die ganze Zeit anlächelte. Wie er dann eine Rede hielt und plötzlich deutsch sprach und mit einem sehr ulkigen Akzent sagte, dass er ein Berliner sei. Die Leute haben wie irre gejubelt, als er das gesagt hat.
Obwohl das natürlich geschwindelt war. Er war ja kein Berliner, er war aus Amerika. Aber ich hatte schon verstanden, warum er das gesagt hat. Weil er den Menschen Mut machen wollte. Weil er ihnen zeigen wollte, dass so eine Mauer durch die Stadt ganz schön unheimlich war, aber dass man sich nicht damit abfinden musste. Dass man solche Sache nicht einfach hinnehmen musste sondern dass man versuchen konnte, solche Sachen zu ändern.
Das hatte ich verstanden, und deshalb fand ich diesen Kennedy ziemlich gut.
„Natürlich erinnere ich mich an Präsident Kennedy“, antwortete ich meiner Mutter.
Die schluckte ein oder zweimal und dann sagte sie ganz leise: „Es ist etwas Furchtbares passiert. Präsident Kennedy ist ermordet worden.“
Ich weiß nicht mehr, was ich gefühlt oder gedacht habe, als meine Mutter mir das gesagt hat. Ich weiß nur noch, wie wir beide am Frühstückstisch saßen und lange nichts gesagt haben. Was sollte man auch sagen, wenn man in einer Welt lebte, in der jemand wie Präsident Kennedy ermordet werden konnte. Einfach so.
Irgendwann musste ich mich auf den Weg zur Schule machen. Meine Mutter gab mir mein Pausenbrot und umarmte mich, ich ging vor die Tür und schaute mich um. Etwas war anders. Die Welt war ein wenig dunkler geworden.
Hier, in der Ausstellung „The Kennedys“ bekommt man eine Ahnung davon, wie es damals war, als die Kennedys unsere Welt ein wenig heller gemacht haben.

The Kennedys
Pariser Platz 4 A
10117 Berlin
030 20653570

www.thekennedys.de

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