Altes E-Werk, Eschwege

1988 wurde die letzte Turbine im Elektrizitätswerk in der Mangelgasse abgeschaltet, seitdem stand das Gebäude leer. Bis vor ein paar Jahren irgendjemand den absolut genialen Gedanken hatte, aus dem alten E-Werk einen Veranstaltungsort zu machen. Ab Mai 2008 wurde umgebaut, 2009 wurde eröffnet, und seitdem gibt’s unter der Regie des „Vereins Kulturfabrik“ ein abwechslungsreiches Programm (Musik, Kleinkunst, Theater) mit zahlreichen Highlights.
Wobei der Raum selbst auch ein absolutes Highlight ist. Die geweißten Wände, die Stahlstreben an der Decke und die riesige Turbine, die man stehen gelassen hat schaffen eine wirklich einmalige Atmosphäre, nach einem stimmungsvolleren Saal wird man in Nordhessen lange suchen müssen.
Ein toller Laden!

Altes E-Werk
Mangelgasse 19
37269 Eschwege
0 56 51 9 61 58

www.ewerkeschwege.de

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Il Duca in Trastevere, Rom

„Wenn du in einer fremden Stadt bist, dann guck, wohin die Pfaffen zum Essen gehen. Da ist es meistens gut.“ Ich weiß nicht, wann ich diese Weisheit zum ersten Mal gehört habe, aber sie stimmt. Hundertprozentig. Und so war ich bester Dinge, als drei Herren in Soutane nach uns das Lokal betraten, am Nebentisch Platz nahmen und mit der Routine des Stammgastes Steinofenpizzen orderten.
„Steinofenpizza müssen wir das nächste Mal bestellen“, sagten wir uns, als wir die appetitlich-knusprigen Wagenräder sahen, an denen die geistlichen Herren sich gütlich taten. Wir hatten uns nach ausgiebigem Studium der Speisekarte für einige Spezialitäten der römischen Küche entschieden: Vorneweg deftige Pasta alla Griscia (Nudeln mit gebratenem Speck und viel Peccorino, eine Art Carbonara ohne Ei, sozusagen die Diät-Variante), und zu den secondi wurde es richtig römisch, die geduldigste Gemahlin erfreute sich an einer Pfanne mit Lebern und Nieren vom Lamm, und wer mich kennt, der weiß, dass ich automatisch „Nehm ich!“ rufe, wenn Kutteln auf der Karte stehen, und so dampften „Trippa alla Romana“ vor mir, butterzart in aromatisch-tomatiger Sauce. Der rote Hauswein schmeckte nicht nur uns, sondern auch den geistlichen Nachbarn.
„Ein Lokal zum Wiederkommen!“, dachten wir, und so denken offenbar viele. Das Lokal füllte sich rapide, man sollte reservieren.

Il Duca in Trastevere
Vicolo del Cinque 52,54,56
00153 Roma
06581770

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Ristorante Il Valentino, Berlin

Früher war hier der „Spatz“. „Hachja, die Schmalzstullen!“ nostalgieren die wenigen verbliebenen Kenner des berüchtigten „Trampelpfads“, dessen erste Station meist dieser „Spatz“ war. Nun, der Trampelpfad ist alkoholische Geschichte, den Spatz gibt es auch schon lange nicht mehr, und das findet sogar der Nostalgiker gut, wenn er zum ersten Mal im „Il Valentino“ gegessen hat.
Hier wird das „gehobener Italiener“-Programm  in der lässigen Variante routiniert und mit Spaß an der Sache durchgezogen. Die Flammen züngeln aus dem Parmesan-Laib, in dem gleich die Pasta geschwenkt wird, die Trüffel werden großzügig über die Teller gehobelt und die Kellner sind dermaßen typisch italienisch, dass man sich in einem Scorsese-Film wähnt.
Hier macht es Spaß. hier sitzt man gern, das klassische italienische Essen ist sehr, sehr gut. Ich hatte zur Vorspeiße gebratenen Polipo, butterzart und schön zitronig, und zum Hauptgang ließ ich mir ein getrüffeltes Filet mit hinreißender Polenta schmecken.
Wirklich toll, dass es hier keine Schmalzstullen mehr gibt!

Ristorante Il Valentino
Kurfürstenstr. 56
10785 Berlin
030 26 398 263

www.il-valentino-berlin.com

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Pizzeria Primavera, Berlin

„Wenn es in Berlin doch mehr Läden wie das Primavera gäbe…“ seufzt man unwillkürlich, wenn man in diesem Lokal wohlig gesättigt die Rechnung bezahlt und noch Genug Geld im Portemonnaie hat, um die Kreuberger Nacht in der einen oder anderen Kneipe um ein paar Stündchen zu verlängern.
Denn das Primavera ist eins der wenigen Lokale in Kreuzberg, wo man preiswert UND gut essen kann. Ein Steak aus der Lammhüfte, schön rosa, mit grünen Bohnen und Bratkartoffeln für 8,50, wo findet man das sonst? Eine Pizza Salami für 2,90 (kein Tippfehler)? Oder – mein Geheimfavorit – Calamari Fritti mit Salat für 5,90? Fasten ist teurer!
Und dieses bodenständige, italienisch orientierte Küche schmeckt, was zur Folge hat, dass es hier jeden Abend rappelvoll ist und – dies ist den trotz des Hochbetriebs stets gut gelaunten Menschen im Service zu verdanken – die Stimmung ganz einfach blendend ist. Was sicherlich auch daran liegt, dass auch die Getränke menschlich kalkuliert sind, so dass man sich ohne schlechtes Gewissen einen zweiten Wein zum Essen leisten kann.
Das Primavera ist kein Restaurant wo man schick Essen geht, sondern eins für den Alltag. Für den Absacker und das Abendessen nach der Arbeit, wenn man nicht mehr selber kochen möchte. Wo es nicht die Welt kosten soll oder darf, man aber trotzdem gut essen möchte.
Schade, dass es in Berlin nicht mehr Läden wie das Primavera gibt.

Pizzeria Primavera
Mehringdamm 72, Eingang Kreuzbergstraße
10961 Berlin
030 7859742

http://www.pizzeria-primavera-berlin.de

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kost.bar, Berlin

„Unprätentiös“ ist eins der Worte, die in den letzten Jahren leider aus der Mode gekommen sind. Das ist sehr schade, besonders, wenn man ein Lokal wie das kost.bar beschreiben möchte, denn „angenehm unprätentiös“ sind die ersten Worte, die einem einfallen. Bequeme Stühle, herrlich kitschige Bilder an den Wänden eine überschaubare Karte, der man anmerkt, dass hier frisch gekocht wird, und ganz ausgezeichnete Weine, die so fair bepreist sind (die offenen kosten 4 Euro pro 0,2l), dass man gern der eigenen Neugierde nachgibt und lieber ein Weinchen mehr als eins weniger probiert. Ich hab den Riesling, den Weißburgunder/Chardonnay und die Cuveé „Rot“ jeweils einem rigiden Leistungstest unterworfen und kann zu jedem nur sagen: „Ja, du darfst mir wieder ins Glas kommen.“
Auf der Speisekarte hatte ich sofort die Kalbsbäckchen erspäht, daher musste ich mich mit der weiteren Lektüre nicht aufhalten. Und es waren Super-Kalbsbäckchen, mürbezart geschmort, begleitet von einem schön sahnigen Sellerie-Püree und einer weiteren Beilage, die Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der gehobenen Gastronomie debütierte, mittlerweile aber genauso in Vergessenheit geraten ist wie das Wort „unprätentiös“: gebratene Rosenkohlblätter. Das ist eine wunderbare Zubereitung, die dem Rosenkohl die dumpf-kohlige Deftigkeit nimmt und ihn durch einen Schuss Eleganz auf den Weg zur Delikatesse bringt. Wer einmal versucht hat, solche Rosenkohlblätter selbst zuzubereiten, weiss, warum sie nicht mehr in Mode sind. Die Blätter einzeln abzufummeln ist eine Schweinearbeit. Die nimmt nur ein Koch auf sich, dem seine Gäste am Herzen liegen. Oder einer, der Lehrlinge zum Kujonieren hat. Lehrlinge konnte ich aber im kost.bar nicht ausmachen.
Abschließend ist noch der aufmerksame Service zu loben, der nicht nur stets für zügigen Getränkenachschub sorgte, sondern auch einen Humor an den Start brachte, der ganz zum Stil des Hauses und seiner Weine passte: Trocken. Angenehm. Unprätentiös.

kost.bar
Knaackstr. 24
10405 Berlin
030 24628759

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Frühsammers Restaurant, Berlin

Das wichtigste zuerst: Was aus der Küche kam, war glänzend, grandios, beglückend. Das begann mit den zahllosen Amuse Geules, die von bodenständig (Flammkuchen) über Boaaaheyh! (Hummeressenz) bis zur modisch-modernen Espuma… Aber dann wurde es Ernst, dann kamen die „richtigen“ Gänge. Zur Eröffnung hatte ich mir pochierte Austern mit Avocado-Mousse und Apfel gegönnt. Da mochte ich schon vor Sonja Frühsammer niederknien, und ich fragte mich, warum ich diese wunderbare, eigentlich vollkommen logische Kombination von frisch-meerigem Austerngeschmack und süßsäuerlichem Apfelaroma nicht schon früher habe schmecken dürfen? Das Zwischengerichte bestand aus zartem kalbsbries, knurpsig-knusprigen Calamretti und kleinen Aprikosen, eine ebenfalls vollkommen sinnige und sinnliche Kombination. Und schließlich der Hauptgang: perfekte, butterzarte Taubenbrust, Spitzkohl, Blutwurst-Ravioli und ein Traum von einer kurzen, dunklen Sauce. Dazu passte der von der Sommeliére empfohlene Tempranillo von der Ribera del Duero wie die Faust aufs Auge, Vorspeise und Zwischengericht hatten wir mit einem nicht minder trefflichen Weißburgunder aus Baden genossen. Zum Abschluss hab ich dann nur ein paar Stück von der beeindruckenden Käseauswahl genommen, ich bin nun mal kein Süßmaul und werde auch nie eins werden.

Wir waren in größerer Runde bei Frühsammers (mit 9 Personen insgesamt) und saßen am großen, runden Tisch in der Mitte des Gastraums. Herrliche Atmosphäre, elegant-großbürgerlich, das passt zur feinen, modernen, aber nicht überkandidelten Küche, hier kann man‘s eine Weile aushalten. Was man auch muss: unser Vier- bzw. Fünfgang-Menü zog sich von halb acht bis gegen Mitternacht.

Und das war doch ein bißchen arg lang. Natürlich muss eine Gruppe, für die á la minute gekocht wird, ein wenig warten, wenn man wie wir vier verschiedene Vorspeisen und vier verschiedene Zwischengerichte ordert, aber pro Stunde 1 Gang bei vier besetzten Tischen im Restaurant? Da schien nicht alles rund zu laufen..

Womit ich beim Service wäre. Peter Frühsammer selbst war an diesem Abend nicht anwesend, und so lag der Service ganz in den Händen von drei jungen, ganz hervorragend geschulten Restaurantfachkräften. Haben Sie Fehler gemacht? Nein, sie waren höflich, fix und bestens informiert. Aber in einem solchen Restaurant erwartet man vom Service ein bisschen mehr als Essen servieren und Getränke nachschenken. In einem solchen Restaurant braucht es einen Gastgeber, der für Atmosphäre sorgt, den Abend moderiert, die Gäste unterhält… ein Restaurant von Format wie Frühsammers braucht einen Gastgeber mit Persönlichkeit.
Ich geh mal davon aus, dass wir einfach das Pech hatten, das besagter Gastgeber an unserem Abend verhindert war. Deshalb trotzdem dicke Empfehlung für Frühsammers Restaurant, nicht zuletzt auch wegen des Preis-Leistungsverhältnisses: 61 Euro pro Nase für vier Gänge dieser Qualität plus Amuse Geules sind geradezu ein Schnäppchen.

Frühsammers Restaurant
Flinsberger Platz 8
14193 Berlin
030 897 38 628

www.fruehsammers-restaurant.de

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Ärztepraxis Susanne Lisser und Mechthild Schmidt-Hahn

Ich weiß, dass es Quatsch ist, trotzdem geh ich nicht gern zum Arzt bzw. zur Ärztin. Ich bin Power-Hypochonder, das heißt ich fühle mich schon hundsmiserabel, wenn ich einem Wartezimmer näher als 500 Meter komme. Hinzu kommt, dass ich über eine ziemlich plastische Vorstellungsgabe verfüge, soll heißen: wenn ich von einem Symptom einer Krankheit erfahre, verspüre ich es sofort. Wenn irgendeine Gesundheitssendung im Fernsehen läuft, hechte ich in Panik nach der Fernbedienung, um umschalten zu können, bevor ich anfange, an den dort angepriesenen Krankheiten zu leiden.
Da ich also ein Mensch bin, dem man mühelos jede x-beliebige Krankheit einreden kann, bin ich auf eine Hausärztin angewiesen, die mit meiner idiotischen Marotte sensibel umzugehen weiß. Frau Dr. Schmidt-Hahn kann nicht hoch genug dafür gepriesen werden, dass sie mich seit Jahren behandelt, ohne dass ich an Maul- und Klauenseuche oder Gehirnstaupe erkrankt bin (bei der “Haustier-Sprechstunde” vergesse ich manchmal das Umschalten).
Im Gegenteil, ich fühe mich wohl, meinen Blutdruck hat sie prima eingestellt und anstehende Vorsorgeuntersuchungen werden so schnell, gut gelaunt und humorvoll abgewickelt, dass ich keine Chance hab, mir neue Krankheiten einzubilden.
Schwester Juliane schließlich, der gute Geist der Praxis, versteht mehr von Fußball als die gesamte Chefredaktion des kicker, so dass man vor dem Termin noch ein erhellendes Fachgespräch führen kann.
Eine rundherum angenehme Arztpraxis. Selbst für “schwere Fälle” wie mich.

Arztpraxis Lisser & Schmidt-Hahn
Müggelstraße 28
10247 Berlin
0302911671

www.aerztinnen-friedrichshain.de

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Alt-Krakau, Berlin

Hier sind wir schon öfters vorbeigekommen, ohne einzukehren. Immer, wenn’s in der UFA-Fabrik was zu bestaunen gibt, sind wir hier aus dem U-Bahnhof Ullsteinstraße gefallen, standen vor dem Alt-Krakau, schauten auf die Speisekarte voller rustikaler polnischer Deftigkeiten und dachten „Müsste man mal probieren…“ Aber immer war keine Zeit, gleich geht’s los in der UFA, vielleicht können wir nächstes Mal etwas früher… Und natürlich kamen wir nächstes Mal wieder kurz auf knapp, und wieder war keine Zeit fürs Alt-Krakau.
Was – wie wir gestern feststellen konnten – eine fatale Fehlleistung war. Gestern hatten wir Zeit, gestern sind wir ins Alt-Krakau gegangen, und seit gestern kennen wir eine Oase der Deftigkeit, einen Tempel des Schmorgerichts. Denn Schmorgerichte können Sie im Alt-Krakau, dass es einem Freund dieser Zubereitungsart die Tränen der Freude in die Augen treibt. Zwei dieser Gerichte hatten wir geordert, die geduldigste Gemahlin von allen die Schmorrippchen mit gebratenem Sauerkraut und ich Bigos, das polnische Nationalgericht, ein geschmorter Eintopf aus Weißkohl, Sauerkraut, verschiedenen Fleischsorten und Speck. Zur Vorspeise gönnten wir uns zwei kleine Lieblingsgerichte, die geduldigste Gemahlin einen Gurkensalat, und ich orderte eine traditionelle Kuttelsuppe, Flaki heißt sie auf polnisch.
Der Gurkensalat entpuppte sich als eine Art Tzaziki, sehr Sahnejoghurt-lastig, ziemlich üppig, aber wir hatten ja Hunger mitgebracht. Die Kuttelsuppe begeisterte: dick geliert, wie sie war, hat sie wohl lange auf dem Herd gestanden und das bekommt Kutteln wie keinem anderen Fleisch, da entwickeln sie GEschmack und sorgen für einen dicken, sanften Fond, der hier beinahe mehr Sauce als Suppe war. Kräftig gepfeffert und noch einen Tick üppiger als der Gurkensalat: hier wird für hart arbeitende Menschen gekocht, die nach des Tages Mühen auf ihre Kalorien kommen wollen.
Die Hauptgerichte begeisterten: so einen guten Bigos habe ich lange nicht gegessen, das Fleisch mürbezart, das Kraut aromatisch-braungeschmort, wunderbar krosser Speck, klasse. Und die Schmorrippchen, sie fielen vom Knochen, ertranken fast in dicker, brauner Sauce, waren aber in wenig Flüssigkeit geschmort, wovon die trockene Knusper-Kruste zeugte.
Dazu bestellt man am Besten eine der vier Sorten polnischen Biers vom Hahn, über das Weinangebot decken wir mal den Mantel des Schweigens. Wer geht denn auch zum Weintrinken in ein polnisches Restaurant? Die Bedienung war sehr zuvorkommend und schnell, das Preisniveau auf Bordsteinkantenhöhe (Hauptgerichte zwischen 5 und 7 Euro, kein Tippfehler!), und zum Abschied gab’s noch einen gekräuterten Schnaps aufs Haus. Der auch nötig war, denn deftig-mächtig waren sie, die Schmorgerichte.
In Zukunft werden wir immer ausreichend Zeit für einen Besuch im Alt-Krakau einplanen, wenn wir in die UFA-Fabrik gehen. Oder ganz einfach nur zum Essen hinfahren. Die Piroggen müssen wir noch probieren. Und diese polnische Rinderroulade, die auf der Karte steht, klingt hochinteressant…

Restaurant Alt-Krakau
Tempelhofer Damm 232

Belin Tempelhof
12099 Berlin

030 7512213

www.altkrakau.de

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Delikat – Kantine im Rathaus Friedenau, Berlin

Ich esse höchst ungern in Kantinen. Ja, ich weiß: Kantinenessen ist meist besser als sein Ruf, es ist längst nicht mehr so schlimm wie früher usw. usf. Trotzdem: Wer einmal die “Eier Süßsauer” der Kantine im Kleisttheater in Frankfurt gekostet hat, dem läuft ein Schauer über den Rücken, wenn er sich einer Essensausgabe nähert.
Dieser Kantinenschauer erwischt einen im Rathaus Friedenau beim Betreten des Kantinenraumes. Pinkfarben gestrichene Wände, Plastik-Lampenattrappen im griechisch-römischen Stil, Begegnungsstätten-Mobiliar und Mobilés an den Wänden! Schwache Naturen ergreifen die Flucht, Pragmatiker nehmen die Speisekarte ins Visier. Kalbsleber mit Apfel- und Zwiebelringen nebst Püree für 4,50 Euro? Fasten ist teurer, das nehmen wir!
Und in der Tat, das Essen war eine angenehme Überraschung. die Kalsbleber war saftig, rosig, genau auf den Punkt, das kriegen sie in vielen Restaurants nicht so gut hin. An Apfel- und Zwiebelringen kann man nix verpfuschen, das Püree war okay und wo die dunkle Sauce herkam, möchte ich nicht unbedingt wissen. Zu dem Preis auf alle Fälle eine dicke Empfehlung.
Trotz allem: mehr als drei qype-Sterne mag ich angesichts des eher altbackenen Speisenangebots nicht geben. Aber für denjenigen, der vor Schnitzel mit Pommes, Hacksteak in Pfefferrahm oder Leberkäs mit Ei und Bratkartoffeln nicht zurückschreckt, ist diese Kantine vielleicht eine preiswerte Alternative, in der solide gekocht wird.

Delikat – Kantine im Rathaus Friedenau
Lauterstraße
12159 Berlin
030 902776854

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solar, Berlin

Die Aussicht ist einmalig, unglaublich, gigantisch.
Es gibt ja ein paar Orte in Berlin, an denen man es sich gutgehen lassen kann, während einem die Stadt zu Füßen liegt, aber dieser hier hat mit die allerschönste Aussicht. Der Potsdamer Platz ist ganz nah dran, ein bißchen rechts daneben erhebt sich die Kuppel des Doms aus dem Häusermeer, der Fernsehturm… und da hinten, kiek mal, der Teufelsberg. Doch so hoch… Und jetzt startet auch ’ne Maschine von Tegel… Berlin ist schön.
Unbedingt vor Dämmerungsanbruch kommen. Wenn’s noch hell ist, so ein leicht milchiger Dunst über dem Häusermeer liegt, und dann was zu trinken bestellen und gucken, wie’s dunkel wird, wie die Lichter angehen, wie man plötzlich sieht, wie sich die Hochbahnen als Lichterketten durch die Berliner Nacht schlängeln… was für ein Ort, was für eine Aussicht!
Einmalig, unglaublich, gigantisch.
Wie auch die Preise. Billig ist das Vergnügen nicht, hier einen Drink zu nehmen oder gepflegt zu Abend zu essen. Vorspeisen knapp über zehn Euro, Hauptgerichte zwischen zwanzig und dreißig Euro, (anständiger) Wein für drei bis fünf Euro für 0,1l. Okay, Hand aufs Herz, wenn das mein Laden wäre, würde  ich mir die Aussicht auch mitbezahlen lassen. Gerade in Berlin wurde noch nie was verschenkt.
Und das Essen ist nicht schlecht. Handwerklich gab es überhaupt nichts auszusetzen. Ich hatte ein Duo von Kalshaxe und Kalbsfilet, das Haxenfleisch zart, das Filet perfekt rosa auf den Punkt, dazu gab es Zwiebelchen in dicker, süßer Sauce und krosse Waffeln. Ein bißchen mehr Sauce hätte ich mir gewünscht und ein bißchen mehr Mut zur Offensive beim Würzen. So war das, was auf meinem Teller lag, allzu brav und konnte mit der dramatischen Kulisse des nächtlichen Berlins nicht mithalten… aber andererseits… gegen DIE Kulisse ist schwer anzukochen, da müsste sich auch ein Ducasse ziemlich strecken.
Also, wollen wir nicht päpstlicher sein als der Papst, der Ausblick reißt alles raus. Die paar Euro mehr fürs Essen zahl ich gern, wenn ich die einmalige Atmosphäre genießen darf. Was kostet die Welt? Vom solar  aus ist Berlin den Preis wert.

solar
Stresemannstraße 76
, Eingang Links
10963 Berlin

0163 7652700

www.solarberlin.com

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