Paprikant

Warum geht man in ein Restaurant? Dumme Frage. Um den Hunger zu stillen, den Durst zu löschen, andere Menschen zu treffen, natürlich.
Und dann gibt es noch einige wenige Lokale, die man aufsucht, weil man sich einfach ein paar Stunden lang wohlfühlen möchte. Das Paprikant ist eine dieser Wohlfühl-Oasen, die man für einen abendlichen Kurzurlaub nutzen kann. Hier, am Sophie-Charlotte-Platz geht die Reise nach Ungarn.
Das fängt an mit der charmanten Dialektfärbung, in der man herzlich begrüßt wird, das geht weiter mit einer Karte, auf der zahlreiche ungarische Weine offen und zu bezahlbaren Preisen angeboten werden, und das hört mit den ungarischen Gerichten auf der Speisekarte noch lange nicht auf!
Wir probierten zur Vorspeise die kalt servierte gebratene Gänseleber, ein üppiger Genuß, mit prima Graubrot serviert. Dazu hätte ich einen offenen Tokajer trinken sollen, aber da hatte ich schon einen trockenen Riesling bestellt. Nächstesmal!
Der Riesling passte jedenfalls ausgezeichnet zur Fischsuppe mit Zander, die kräftig mit Paprika (aus Ungarn importiert, nicht zu vergleichen mit deutscher Supermarktware) gewürzt war. Ebenfalls empfehlenswert das köstliche Letscho (gibt’s vegetarisch oder mit Speck & Wurst), der Rinderbraten mit Stachelbeersauce und ein üppiger, überaus großzügig portionierter traditioneller Kohlauflauf (war die Empfehlung des Abends, stand nicht auf der Karte). Süßmäuler halten sich an den Gundelpalatschinken zumm Nachtisch.
Das ist rustikale, deftige Familienküche, das hat geschmeckt, da fühlte man sich wohl, und so blieben wir viel länger hocken, als wir vorhatten. Die ein oder andere Rotweinflasche wurde noch geköpft (Erlauer Stierblut, empfehlenswert), und auch der vom Wirt empfohlene Birnenbrand musste probiert werden.
Überhaupt: die Empfehlungen des Wirts. Der Mann ist ein leidenschaftlicher Verfechter der ungarischen Küche, dem hört man – nicht nur wegen der charmanten ungarischen Sprachmelodie – gerne zu, und man sollte auf seine Empfehlungen hören. Das Paprikant ist ein Familienbetrieb, und wie in jeder Familie läuft nicht immer alles rund. Kleinere Pannen wurden jedoch souverän und charmant wieder gut gemacht, das tat der Stimmung an diesem rundum gelungenen Abend keinen Abbruch.
Wir haben uns wohl gefühlt, wir werden uns bald wieder dort wohl fühlen.

Nachtrag September 2009: Leider werden wir uns dort wohl nicht mehr wohl fühlen können, denn das Paprikant ist geschlossen. Ach ja.

Ungarisches Restaurant Paprikant
Kaiserdamm 118
14057 Berlin
030 33937683

www.paprikant.com

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8 Antworten zu Paprikant

  1. birnenbrand heißt auf ungarisch angeblich vilmoskörte [sprich: vilmooschkörrtää] 🙂

  2. vati sagt:

    … ach so?

  3. vilmoskörte sagt:

    Es war ein prima Abend, in der Tat, und nach Krautauflauf und Gundelpalatschinta war ich pappsatt. Tja, lokalreporter, nur du hast gefehlt, sonst hätte ich gerne mit einem Birnenbrand (ich hatte ausnahmsweise nur körte ohne vilmos) mit dir angestoßen.

  4. wäre gerne dabeigewesen, vilmos. vielleicht ergibt sich ja demnächst nochmal ein wollschweinausflug?!

  5. oachkatz sagt:

    Da will ich hin.

  6. Thea sagt:

    Leider sucht das „Paprikant“ nun einen neuen Besitzer…

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