Schwobaseggl

Das ist natürlich ganz schwer für einen Wirt, wenn 20 Qyper auf einmal über ihn herein brechen. Wenn auch die restlichen Tische besetzt sind (was ja für den Laden spricht), heißt es “Augen zu und durch” und hoffen, dass alles klappt. Und? Hat alles geklappt? Fast. Der Reihe nach. Die Weine waren äußerst trinkbar, vor allen Dingen der vom Wirt empfohlene offene, trockene Riesling. Ein schöner, körperreicher Wein mit feinen Zitrusaromen, der so gut war, dass er ein feineres Glas als das traditionelle Schwabenhenkelviertele verdient hätte. Aber Schwamm drüber. Vermutlich gehört der Wein in dieses Glas, ich will nicht meckern, obwohl mir ein “richtiges” weinglas allzeit lieber ist. Der offene Schwarzriesling allerdings war zu warm, (wie der Spätburgunder von Tischnachbar Jürgen), andererseits: in welchem Berliner Lokal ist der Rotwein NICHT zu warm? Also auch hier: Schwamm drüber! Die Speisekarte. Für seine Saisonkarte Dezember ist der Wirt zu loben, zu preisen und in den Himmel zu heben. Er hat den Mut, Innereien zu präsentieren und offereiert seinen Gästen neben einer Schlachteplatte Kutteln, Leber, Nieren und Kalbsherz! Da lacht auch das Herz des Kenners, der weiß, dass die Innereien zu den verkanntesten und leckersten Fleischstücken gehören. Da hab ich nicht lange überlegt und mir gleich das Kalbsherz geordert. Mit Rotweinsoße und Spätzle für 11,50 Euro. Das Fleisch war okay, ich selber hätte es deutlich früher aus der Pfanne genommen, damit es richtig rosa bleibt, hier war es durch und ziemlich knurpsig, aber der lecker-fleischige Geschmack des Kalbsherzens (dass ich jedem Steak vorziehe) entschädigte für einiges. Die Soße war sahnig-üppig, die Spätzle okay… es war aber Soße und nicht Sauce. Siebeck-Leser werden wissen, was ich meine. Es war alles in allem wirklich nicht übel, und – in Anbetracht des Stresses, dem Küche und Service angesichts von 20 Qypern ausgesetzt waren – sicherlich sehr akzeptabel. Aber mit Berliner Power-Schwaben wie “Hägeles Antiqua” oder den Friedenauer “Glühwürmern” kann das Schwobaseggle doch noch nicht konkurrieren. Da braucht es noch einen Tick mehr Ehrgeiz bei Küche und Service, um in der oberen Liga mitzuspielen.

Nachtrag September 09: Augenscheinlich ist auch dieses Restaurant mittlerweile geschlossen. Die Wirtschaftskrise hat die Berliner Gastronomie erreicht.

Schwobaseggl
Uhlandstraße 144, Nahe U-Bhf. Hohenzollernplatz
10719 Berlin
030 50174852

www.FSGruppe.de

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