Bergterrasse Marienhöhe, Berlin

Gemeinhin gilt das Unternehmen einer Zeitreise als außergewöhnlich kompliziert. Im Prinzip hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man studiert Physik und verwandte Fächer, widerlegt Einstein und baut dann eine Zeitmaschine, oder man wartet, bis irgendwann durch Zufall ein Zeitreisender vorbeikommt und klaut ihm das Fortbewegungsmittel, mit dem er auf dem Zeitstrahl navigiert. Seit letztem Wochenende weiß ich, dass es eine drittee, herrlich unkomplizierte Möglichkeit für eine Zeitreise gibt: den Besuch der „Bergterrasse Marienhöhe“ in Tempelhof.

Just um die Ecke der Bushaltestelle Röblingstr./Attilastraße, in durchaus noch  fußläufiger Entfernung vom S-Bahnhof Attilastr. befindet sich die Möglichkeit, ca. 40 Jahre zurück in der Zeit zu reisen und einen typischen West-Berliner Biergarten der 60er, 70er Jahre zu besuchen: die Bergterrasse Marienhöhe.

„Lauschig“ nannte man damals ein solches Ambiente, und lauschig ist es immer noch. Man sitzt an wie improvisiert aufgestellten Gartentischen. Die Polster für die Plastikstühle entnimmt der zuvorkommende Service strategisch günstig postierten Polsterkisten. Und wenn man dann zu Stuhle gekommen ist, streckt man die Beine aus und lässt einen wohligen Seufzer fahren: Hier konnte man‘s damals sehr gut aushalten, heute geht das immer noch.

Die Zeitreise setzt sich auf der Speise- und Getränkekarte fort. „Herva Mosel“ fehlt genauso wenig wie die Fassbrause, die Bockwurst oder das Bauernfrühstück. Sogar die seinerzeit  berüchtigte Dose Ölsardinen („Ick hab keen Hunger, aber ick brauch doch ’ne Grundlage…“) findet sich zum Dumpingpreis (2,50) auf der Karte.

 

Die Bockwurst mundete jedenfalls ganz ausgezeichnet, und die dazu gereichte Toastbrotscheibe hatte sogar das Innere eines Toasters erblickt (keine Selbstverständlichkeit in der West-Berliner Imbiis-Kultur).

 

Und als ich mir dann zur Feier der Bockwurst einen (ausgezeichneten) trockenen Riesling bestellte, ging die Zeitreise munter weiter. Tatsächlich wurde der im Römerglas serviert, aus dem wir seinerzeit in den Kreuzberger Kneipen den Edelzwicker schlürften. Hachja.

Fazit: In der Bergterrasse Marienhöhe kann man’s sehr, sehr gut aushalten. Auch wenn man kein Zeitreisender ist.

Bergterrasse Marienhöhe
Marienhöher Weg 30
12105 Berlin
030 753 28 39
http://www.bergterrasse-marienhoehe.de/
(nur während des Sommers geöffnet)

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2 Antworten zu Bergterrasse Marienhöhe, Berlin

  1. Foodfreak sagt:

    ja, das sieht mächtig retro aus, wobei mich davon wohl maximal der Riesling angemacht hätte 🙂

  2. Chris Kurbjuhn sagt:

    Es hätte auch Urquell vom Fass gegeben. Und Schnitzel. Und – wie gesagt – Ölsardinen. Die sind nicht zu unterschätzen.:) Kennst du den WG-Klassiker „Spaghetti auf Admirals Art“?

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