{"id":800,"date":"2010-04-30T21:26:12","date_gmt":"2010-04-30T21:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/exyl.wordpress.com\/?p=800"},"modified":"2010-04-30T21:26:12","modified_gmt":"2010-04-30T21:26:12","slug":"lavandevil-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/rundumdiewelt.chris-kurbjuhn.de\/?p=800","title":{"rendered":"Lavandevil, Berlin"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Tempora mutantur, nos et mutamur in illis&#8220; &#8211; Die Zeiten \u00e4ndern sich,  und wir \u00e4ndern uns in ihnen. Ein Klassiker des gepflegten Latein-Zitats,  und niemand kennt den Urheber, die Wikipedia vermutet Kaiser Lothar I.  &#8230;. ist doch wurscht. Wer auch immer sich diesen Satz einfallen lie\u00df,  war noch niemals in einem Charlottenburger Traditionslokal wie dem  Lavandevil, einer Kneipe, die derma\u00dfen traditionell ist, dass die  Stammg\u00e4ste sich nicht mehr erinnern k\u00f6nnen, wann sie den Laden zum  ersten Mal betreteten haben. Okay, das gilt f\u00fcr die j\u00fcngeren Stammg\u00e4ste.  Die \u00e4lteren Stammg\u00e4ste wissen nicht mehr, wo sie Zuhause sind, weil sie  das Lavandevil seit mindestens zwanzig Jahren nicht verlassen haben.<br \/>\nWarum  auch? Vor ein paar Jahren ist renoviert worden, den W\u00e4nden ist ein  frischer, freundlicher Anstrich verpasst worden, der Grundriss ist  geringf\u00fcgig anders als damals, als ich vor&#8230; \u00e4h, das war glaube ich  Anfang der Achtziger, oder doch Ende der Siebziger&#8230; lassen wir das, es  ist viel heller und freundlicher als fr\u00fcher, und geraucht wird auch  nicht mehr bzw. nur in einem separaten Raucherraum, aber ansonsten&#8230;  alles wie fr\u00fcher!<br \/>\nEs gibt immer noch lecker Kneipen-Pizza, also kein  Steinofenged\u00f6ns mit Ruccola zum Gastro-Review-Schreiben, sondern eine  fettig-flauschig-ungesunde Grundlage f\u00fcr eine lange Nacht voll Bier,  Wein und Rock&#8217;n Roll.<br \/>\nDer unerschrockene Gast probiere die &#8222;Scampi  all ajillo&#8220;, zwei Handvoll mit einer unanst\u00e4ndigen Menge Knoblauch und  Oliven\u00f6l gebratene Gro\u00dfgarnelen, abgel\u00f6scht mit einer satten Portion  eines Weinbrand-\u00e4hnlichen Getr\u00e4nks, das ist im wahrsten Sinne des Wortes  atemberaubend, das ist ein Gericht so unverwechselbar wie ein  Faustschlag von Vitali Klitschko: Raffinement Fehlanzeige, but it  delivers!<br \/>\nAuch die Weinkarte gibt sich kompromisslos: hier werden &#8211;  wie fr\u00fcher &#8211; keine Weine angeboten, sondern Rebsorten: Riesling,  Chardonnay, Merlot&#8230; alles bodenst\u00e4ndig, was Preis und Geschmack  anbelangt.<br \/>\nJa, was ist das Lavandevil nun f\u00fcr ein Lokal? Wirklich nur  die Heimstatt von gastronomisch ewig Gestrigen, ein Treffpunkt alter  S\u00e4cke, die sich nach dem kl\u00fcngeligen Mauer-West-Berlin zur\u00fccksehnen?<br \/>\nOch  n\u00f6. An Abenden wie heute, am 30. April 2010, wenn dort die Soko Haubach  gitarrenlastigen R&amp;B in \u00dcberlautst\u00e4rke durchs Lokal pustet, wenn  die Tresenmenschen aufopferungsvoll das frisch angestochene Maibock-Bier  an die G\u00e4ste weiterreichen, wenn die Leute, die man seit zig Jahren  kennt, mit jedem Glas ein paar Jahre j\u00fcnger werden und wenn Steve Seitz  &#8222;I hear you knocking&#8220; knackiger als Dave Edmunds rausknarzt&#8230; dann ist  das Lavandevil the place to be in tout Berlin.<br \/>\nDie Kneipen \u00e4ndern  sich nicht, und wir \u00e4ndern uns nicht in ihnen. Dieser Satz war jetzt von  mir. Falls wer von der Wikipedia fragt.<\/p>\n<p>Lavandevil<br \/>\nSchustehrusstr. 3<br \/>\n10585 Berlin<br \/>\n0303429280<\/p>\n<p><a id=\"external_website_link\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.lavandevil.de\/\" target=\"_blank\">www.lavandevil.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Tempora mutantur, nos et mutamur in illis&#8220; &#8211; Die Zeiten \u00e4ndern sich, und wir \u00e4ndern uns in ihnen. Ein Klassiker des gepflegten Latein-Zitats, und niemand kennt den Urheber, die Wikipedia vermutet Kaiser Lothar I. &#8230;. ist doch wurscht. 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